Kasachstan-Reise: 5 Tage in Almaty


Aussicht vom Shymbulak, im Tal ist Almaty zu sehen
Schon bevor wir im letzten Jahr nach Kasachstan gereist sind, habe ich mir fest vorgenommen danach einen Reisebericht zu erstellen. Dies vor allem auch weil ich selbst die meisten Informationen und Empfehlungen Blog-Posts entnommen habe und dabei auch festgestellt habe, dass es nur wenige persönliche Reiseberichte gibt. Aus meiner Sicht fehlen vor allem Berichte von Menschen mit einem persönlichen Bezug zu Kasachstan, so wie es bei mir der Fall ist. Da ich in Almaty, der ehemaligen Hauptstadt Kasachstans, geboren bin und wir im Alter von knapp 2 Jahren nach Deutschland ausgewandert sind, war es schon immer ein Wunsch von mir meine Geburtsstadt einmal kennenzulernen. Mein Leben lang höre ich quasi von allen Verwandten so viele schöne Geschichten aus und über Almaty und vor allem auch meine Mama schwärmt immer von dem Charme dieser Stadt. Dies hat dazu geführt, dass ich mich irgendwann dazu entschlossen habe Almaty einmal selbst zu erleben und dann erst bei meiner Recherche entdeckt habe was für tolle Landschaften und Nationalparks im Umland von Almaty liegen.
Voller Vorfreude und per Direktflug begann dann im Juli 2025 unsere Kasachstan-Reise.
In Almaty selbst haben wir insgesamt fünf Tage verbracht und ich hätte sehr gerne noch zwei weitere Tage drangehängt, um die Stadt und den Lifestyle dort mehr kennenzulernen.
Die Hälfte dieser 5 Tage haben wir mit einem Onkel von mir verbracht, der in Almaty lebt und uns super viele tolle Orte gezeigt hat, welche wir ohne ihn wohl nicht gesehen hätten.


Tag 1: Erste Eindrücke
Vom Hotel aus sind wir zur Fußgängerzone Arbat spaziert, hier soll immer etwas los sein und es gibt hier auch ein paar Künstler, die ihre Werke verkaufen. Wir selbst haben hier aber nicht viel erlebt. Von dort aus ging es weiter zur Christi-Himmelfahrt-Kirche, dem Park der 28 Panfilowzy sowie den Zeleny Basar. Da Almaty wirklich sehr groß und weitläufig ist, haben wir uns dann irgendwann spontan 2 E-Scotter geliehen und sind damit durch abgelegene Straßen bis zum berühmten Hotel Almaty gefahren. Ich liebe es Städte mit E-Scooter zu erkunden, weil man in kürzester Zeit unglaublich viel sehen kann und es auch einfach Spaß macht sie zu fahren. Nachts sind wir dann mit leckerem Plombir-Eis durch wundervolle belebte Restaurant-Meilen zurück zum Hotel spaziert.
Rückblickend war dies der schönste Tag.
Tag 2: Heimat, Märkte & Natur
Gemeinsam mit meinem Onkel sind wir morgens zu einem Basar am Rande Almatys (Turksib-Jarmarka) gefahren, um dort Fisch für den Abend zu kaufen. Von dort aus hat er uns zu dem Haus meiner Eltern gebracht, in welchem ich damals aufgewachsen bin. Gerne hätte ich mir unser Haus einmal angeschaut, leider waren die Eigentümer nicht da. In Almaty sind die Häuser von hohen Zäunen umgeben, daher konnten wir nicht viel vom Haus sehen. Trortdem war es wundervoll die Straße zu sehen, vor allem auch weil sich auch das Haus meiner Großeltern in dieser Straße befindet und ich die ganzen Erzählungen von früher nun viel besser einordnen kann. Von dort aus ging es zum Basar Saryarka Market, wo es laut meinem Onkel den besten Schaschlik in Almaty gibt. Der Schaschlik, der traditionell aus Schafffleisch war, war wirklich unglaublich lecker und der Geschmack des Fleisches angenehm mild. Nachdem wir noch ein paar Früchte gekauft und ich von einer Dame selbstgemachten Kefir geschenkt bekommen habe, sind wir zur Gebirgsschlucht Alma-Arasan aufgebrochen. Dort sind wir spontan bis zum zweiten Wasserfall hochgewandert (der Aufstieg war wirklich anstrengend und sollte vorher eingeplant werden, ich war danach komplett verschwitzt). Für den Abend hatte mein Onkel für uns einen Karaoke-Abend in seinem Garten organisiert, zu welchem er einige Nachbarn eingeladen hatte. Einer der Nachbarn ist so ein wundervoller Sänger gewesen, dass wir beide sofort Hin und Weg waren und davon überzeugt sind, dass er hier in Deutschland bei jeder Hochzeit mit Sovjet-Background gebucht werden würde. Das Lied "Марджанджа" wird uns für immer an ihn erinnern. Ich habe "Atemlos durch die Nacht" gesungen, sodass deutscher Schlager über laute Muskboxen in die Almaty-Nacht dröhnte, später haben wir uns noch an einen Klassiker von Alla Pugacheva versucht. Es war ein einmaliges und besonderes Erlebnis, was uns schon klar war, als wir den wundervollen kasachischen Garten betreten haben. Es gibt Momente, da weiß man einfach sofort "daran werde ich für immer zurückdenken" und dies war einer dieser Augenblicke.
Tag 3: Shymbulak
Meinen Geburtstag haben wir mit einem unglaublich leckeren Frühstück und Kaffee im Cafe Jump-In-Goat begonnen. Dieses Cafe ist sofort zu einem Lieblingsort in Almaty geworden, zu dem wir immer wieder für unglaublich leckeren Kaffee sowie Sirniki vorbeikamen.
Zusammen mit meinem Onkel sind wir danach zur berühmten Eisarena Medeo gefahren und haben von dort aus Seilbahn zum Shymbulak (2260 m) genommen, auf welchem noch ein wenig Schnee lag. Da wir (wie sooft) spät dran waren und quasi hätten sofort wieder via Seilbahn umkehren müssen, hatten wir uns spontan dazu entschlossen den Rückweg zu Fuß anzutreten. Natürlich bin ich davon ausgegangen, dass es irgendwo einen guten Wanderweg gibt, welchen wir aber leider nicht gefunden haben und somit fröhlich die trockene Skipiste runtergegangen oder eher gelaufen sind. Aufgrund des Geröls kam man immer wieder ins stolpern und daher war Laufen irgendwie doch die beste Option. Kurz vor Ende mussten wir dann auch noch eine Art Holzleiter erklimmen, es war ein Auf und Ab zwischen "oh wie schön alles ist " und "хва́тит" (Es reicht mir jetzt!"). Wenn man sich aber unsere unglaublich wundervollen Bilder anschaut, wird man niemals erahnen wie anstrengend dieser Abstieg eigentlich war. Ich muss bis heute darüber lachen, denn ich war doch immer wieder recht schimpfend unterwegs, rückblickend war es aber perfekt, wie sooft im Leben. Für meinen Geburtstag hatte ich außerdem schon weit im Voraus einen Tisch beim berühmten Restaurant AUYL, welches auf Höhe Medeo liegt, reserviert. Der Ort und das Ambiente dort sind sehr besonders, ich kann das Restaurant wirklich jedem empfehlen. Das Essen war unglaublich köstlich und sie führten sogar kasachischen Riesling auf der Karte. Das einzige was leider nicht überzeugte war ihr Medovik, der einfach viel zu süß war.


Tag 4: Spazieren & KÖK-TÖBE
Den vorerst letzten Tag in Almaty wollten wir entspannt angehen und einfach nur spazieren und erkunden. Unser Hotel lag in der Nähe der einzigen Metro-Linie der Stadt, welche erst 2011 eröffnet worden ist. Via Metro sind wir dann Richtung Hotel Almaty gefahren und haben von dort aus die Seilbahn zum Kök-Töbe genommen. Von dort oben hat man einen wundervollen Blick auf ganz Almaty, außerdem gibt es eine wundervolle Beatles-Statue sowie zahlreiche Kinder-Freizeitattraktionen. Der ganze Trubel dort oben hat uns weniger gefallen, sodass wir recht schnell wieder runtergefahren sind und den Abend mit leckerem kasachischen Essen haben ausklingen lassen.
Kumys (fermentierte Pferdemilch) probiert. XXL-Tscheburek Plov mit Schafsfleisch Manti
Tag 5-9: Roadtrip (Blog-Post folgt)
Tag 10: Abschied nehmen
Für den letzten Tag hatten wir geplant das Grab meiner Großeltern zu besuchen, welches ich natürlich nur von Fotos kannte und es daher ein großer Herzenswunsch von mir war dieses einmal zu sehen. Später waren wir noch bei Bekannten meiner Eltern eingeladen und durften eine echte kasachische Wohnung (Kommunalnaja, noch aus der Sovjet-Zeit) erleben. Das war für mich ein totales Highlight, weil ich immer viele Geschichten über diese "Kommunalka" gehört habe und diese vermutlich auch aufgrund des Films "С лёгким паром!" (Ironie des Schicksals) ein wenig romantisiere. Wer den Film nicht kennt, sollte ihn UNBEDINGT gucken, am besten an Silvester.
Zuletzt waren wir dann noch ein wenig Souvenir-Shopping im Tsum und haben ein letztes Mal unser Lieblingscafe genossen.
Meine persönlichen Eindrücke / Wissenswertes für Eine Almaty-Reise:
YandexGo App - In Almaty ist mit dieser App alles machbar: Essen bestellen, Taxi ordern, Kartensuche (Maps), bezahlen und und und. Wichtig: Die App unbedingt vorher in Deutschland installieren, da man für die Registirerung eine SMS erhält, welche oft nicht ankommt wenn man sich bereits in Kasachstan befindet.
SIM-Karte - Ich hatte mir eine eSim-Karte zugelegt, die aber leider semigut funktioniert hat. Für Whatsapp reichte es, der Rest wurde nicht geladen. Mein Tipp ist, entspannt einen Auslandstarif über den eigenen Anbieter buchen. Kostet ggf. ein paar Euro mehr, ist aber so viel entspannter. Wir haben das Internet vor allem für die Kartensuche sowie z.B. Währungsumrechnung benötigt.
Sprache - Russisch ist die dominierende Sprache. Wir wurden überall auf Russisch begrüßt und angesprochen, insgesamt haben wir in der Stadt wenig Kasachisch gehört. Englischkentnisse sind vorhanden, aber sehr ausbaufähig. Ein Teil des Personals im Hotel sowie auch ein paar wenige Kellner in Restarants konnten Englisch, es ist aber noch eine Seltenheit.
Währung - Im Gegensatz zu z.B. Mexiko fiel es mir hier sehr schwer mich an die Währung zu gewöhnen. Ständig war ich während des Bezahlens am hin- und herrechnen. Mein Tipp: Sich vorher intensiver mit dem Wechselkurs befassen und sich vor Ort einfach nicht stressen lassen.
Autovermietung: Vorsicht ist geboten. Wir haben leider keine tolle Erfahrung gemacht, dennoch ist Gott sei dank alles gut gegangen. Haftpflichtversicherungen sind bei Autovermietungen kein Standard. Man sollte sehr genau kommunizieren und auf Schriftliches bestehen.
Meine Empfehlungen für Almaty:
Viel spazieren! Überall gibt es wundervolle breite Spaziermeilen mit vielen tollen Cafes sowie auch schöne Grünflächen und Parks.
E-Scooter: Wenn man sich traut ist es ein großer Spaß damit schnell von A nach B zu flitzen und dabei die Stadt zu erkunden. Buchbar via YandexGo.
Abends durch belebte Restaurant-Straßen spazieren und den Flair aufsaugen. Einige Restaurants hatten DJs engagiert, die im Außenbereich aufgelegt haben. Beim nächsten mal würden wir eins dieser Restaurants besuchen (z.B. Kreuzung Kabanbay Batyr St und Furmanov Ave).
Supermärkte, Einkaufszentren und auch Blumenläden (teilweise Straßenverkäufer) haben bis in die Nacht geöffnet.
Sehr leckeres und (für uns) preiswertes Essen an jeder Ecke. Unglaublich viele tolle Restaurants und Cafes.
Der grüne Basar. Ein Highlight! Man sollte viel Hunger mitbringen und unbedingt auch die untere Etage besuchen und mindestens 2-3 Stunden einplanen. Direkt am Eingang wird man zwar ganz typisch mit Touripreisen abgefangen, handeln ist hier aber erwünscht. Auf der unteren Etage waren eher Locals unterwegs, dort gibt es einige Imbisse sowie frische Backwaren sehr günstig zu kaufen. Ich musste hier direkt meine geliebten Rollkuchen (Baursaki) probieren und habe dafür nur ein paar Cents gezahlt.
Wir waren leider nur eine Stunde dort und haben es später nicht mehr hingeschafft, was wir beide sehr schade fanden. Wichtig: Der Basar hat montags geschlossen.
Shymbulak - mein absolutes Highlight. Ich würde beim nächsten Mal 1 bis 2 ganze Tage einplanen und dort wandern gehen.
Übernachten auf Höhe Medeo / Shymbulak. Wir haben dort viele tolle Übernachtungsmöglichkeiten gesehen und würden dort beim nächsten Mal 2-3 Tage verbringen wollen.
Shopping-Paradies: Es gibt zahlreiche riesige Malls im Dubai-Style. Dies hatten wir nicht wirklich eingeplant und ich war nur am letzten Abend schnell in der Mall Dostyk Plaza um ein paar Besorgungen in dem großen Supermarkt zu machen. In der Mall habe ich die französische Bäckerei PAUL sowie weitere bekannte Gastronomien gesehen. Gerne hätte ich mehr Zeit gehabt um durch lokale Beauty- und Modegeschäfte zu stöbern, denn die meisten davon gibt es hier bei uns in Europa nicht.
Almaty ist perfekt gelegen für Tagestrips zum Charyn Canyon oder Altyn-Emel-Nationalpark (Blog-Post dazu folgt).



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